1.5 Spektroskopische Untersuchung der Planetenatmosphäre
Quelle: Themenpool §1 — Exobiologie · Mitschrift §9.2.1
Planeten reflektieren und emittieren Strahlung. Welche Wellenlängen dabei fehlen (Absorptionslinien) bzw. besonders auftreten, verrät, welche Moleküle in der Atmosphäre stecken. So sucht man gezielt nach organischen Verbindungen als möglichem Hinweis auf Leben.
Wichtige Moleküle: CO₂ (Kohlendioxid), H₂O (Wasser), O₃ (Ozon), O₂ (Sauerstoff), CH₄ (Methan).
Das Planetenspektrum gewinnt man durch Extraktion: Vom gemeinsam gemessenen Spektrum (Stern + Planet) zieht man das reine Sternspektrum ab. Das ist allerdings noch nicht flächendeckend möglich, wird aber durch das James-Webb-Teleskop zunehmend besser.

Abbildung: Extraktion des Planetenspektrums — vom gemeinsamen Spektrum (Stern + Planet) wird das Sternspektrum abgezogen; übrig bleibt das schwache Spektrum des Planeten.

Abbildung: Sonnenspektrum mit Fraunhofer-Linien — dunkle Absorptionslinien entstehen, wenn Moleküle/Atome bestimmte Wellenlängen verschlucken.
Biomarker
Wasser und CO₂ allein sind kein Beweis für Leben — beide entstehen auch ohne Leben. Aussagekräftiger sind Biomarker (auch Biosignatur), also Atmosphärenbestandteile, die sich schwer ohne Leben erklären lassen.
Der wichtigste ist Sauerstoff (O₂ und O₃): Sauerstoff ist extrem bindungsfreudig und würde ohne ständigen Nachschub schnell aus der Atmosphäre verschwinden. Bleibt der O₂-Anteil über lange Zeit konstant, muss er fortlaufend nachgeliefert werden — ein starker Hinweis auf Photosynthese.
✎ Rückfrage: Bedeutet O₂ zwingend Leben? (das „Falsch-Positiv"-Problem) Nein. Auch O₂ kann eine unbelebte Quelle haben: Auf manchen Planeten zerschlägt intensive Stern-UV-Strahlung H₂O- oder CO₂-Moleküle (Photodissoziation); der leichte Wasserstoff entweicht ins All, der zurückbleibende Sauerstoff reichert sich zu O₂ an. O₂ allein beweist also noch kein Leben — genau dafür steht die Regel „ein Marker reicht nicht": Überzeugend wird es erst, wenn O₂ gemeinsam mit CH₄ (oder anderen reduzierenden Gasen) dauerhaft auftritt, was unbelebte Prozesse kaum gleichzeitig aufrechterhalten können.
Auch Methan (CH₄) ist ein wichtiger Indikator — und zwar aus demselben Grund: Methan hat in einer Atmosphäre nur eine kurze Lebensdauer (es wird durch UV-Licht und Sauerstoff rasch zerstört). Findet man trotzdem dauerhaft Methan, muss es ständig nachproduziert werden. Auf der Erde stammt der weitaus größte Teil aus biologischen Quellen (Mikroben, Lebewesen). Besonders aussagekräftig ist das gemeinsame Auftreten von O₂ und CH₄: Beide reagieren miteinander und „verbrauchen" sich gegenseitig — sie dürften eigentlich nicht lange nebeneinander existieren. Tun sie es doch, müssen beide fortlaufend nachgeliefert werden, was ohne Leben kaum zu erklären ist.
✎ Ein aktueller, umstrittener Marker: Dimethylsulfid (DMS) (➕). Dimethylsulfid (DMS) ist ein Gas, das auf der Erde fast nur von Lebewesen (v. a. marines Plankton) erzeugt wird — daher gilt es als möglicher Biomarker. 2023/2025 meldete ein Team mit dem JWST einen Hinweis auf DMS in der Atmosphäre von K2-18b (siehe 1.11). Das löste große Aufmerksamkeit aus — ist aber heftig umstritten: Spätere Analysen finden das Signal statistisch nicht überzeugend (zu schwach, evtl. Messrauschen). Das zeigt mustergültig, wie schwierig und vorläufig der Nachweis von Biosignaturen ist.
Faustregel: Ein einzelner Biomarker reicht nicht — es braucht mehrere Indizien zusammen (etwa die Kombination O₂/O₃ + CH₄, ergänzt um Grundvoraussetzungen wie H₂O und CO₂). Denn jedes einzelne Gas kann auch eine unbelebte Ursache haben (Vulkanismus, Photochemie); treten aber mehrere Gase zusammen auf, die „eigentlich nicht koexistieren dürften / längst verschwunden sein sollten", wird die unbelebte Erklärung immer unwahrscheinlicher.